Das Museum "Glauco Lombardi" - die Sammlung der Erzherzogin Maria Louise

Geschichte des Museums
"Das kulturelle Erbe eines Volkes ist heilig und die Geschichte will die großen Ereignisse und ihre Zeugnisse dort aufbewahren, wo sie entstanden sind, wo sie zum Vorzug jener Menschen gehören, die sie geschaffen haben." Gemäß diesem Motto hat Prof. Glauco Lombardi eine Sammlung angelegt, deren Exponate gleichermaßen die Geschichte Parmas im 18. und 19. Jahrhundert repräsentieren und dabei besonders die Regierungszeit der Erzherzogin Maria Louise darstellen.

Im Jahre 1881 in Colorno geboren, widmete sich Prof. Lombardi seit Beginn des 20. Jahrhunderts der Forschung zu den Monumentalbauten seiner Heimat. So entstand eine interessante Monographie über den Regierungspalast mit dem Titel: "Das Versailles der Farnesi". Im Jahre 1934 erwarb Prof. Lombardi von Giovanni Sanvitale, einem Nachfahren von Albertina Sanvitale, der Tochter von Erzherzogin Maria Louise und dem Grafen Neipperg, deren Sammlung von Gegenständen der Erzherzogin, ihrer Mutter. Die übrigen Exponate des Museums hat Prof. Lombardi in jahrelanger, mühsamer Sammlertätigkeit auf dem Antiquitätenmarkt erworben und aus Eigenmitteln finanziert. Die so entstandene Sammlung befand sich dann zunächst im erzherzoglichen Palais, der Sommerresidenz Maria Louises, in Colorno und seit 1944 in der Privatwohnung von Prof. Lombardi, bis sie 1961 in den Palazzo di Riserva in Parma verbracht wurde.

Der "Reservepalast" hat seinen Namen daher, daß er als Gästehaus und Veranstaltungsort diente, wenn das ursprünglich gegenüber gelegene Hauptpalais ausgelastet war. Das "Reservepalais" beherbergte seit 1687 auch das erzherzogliche Theater. Sein heutiges Aussehen mit der klassizistischen Fassade erhielt es 1764 durch den Architekten E. A. Petitot.

Die Sammlung der Erzherzogin Maria Louise
Das Museum verfügt über mehr als tausend Exponate, darunter persönliche Gegenstände, Briefe, Gegenstände des täglichen Lebens, Kunstgegenstände, Gemälde, Musikinstrumente und kunsthandwerkliche Exponate, die es dem Besucher ermöglichen, die außergewöhnliche Persönlichkeit der Urenkelin Kaiserin Maria Theresias und ihre Regentschaft als Epoche von großer Kultur erleben zu können

Erzherzogin Maria Louise von Österreich war die zweite Frau von Napoleon Bonaparte. Sie wurde am 12. Dezember 1791 als erstes Kind von Kaiser Franz II. von Österreich geboren. Ihre Mutter, Maria Theresia, war als Tochter der Maria Karolina, der Königin von Neapel, ebenfalls eine Enkelin Kaiserin Maria Theresias von Österreich. Erzherzogin Maria Louise wurde am 2. April 1810 zu Paris, gegen ihren Willen, mit Napoleon Bonaparte vermählt und gebar ihm am 20. März 1811 einen Sohn, dem Napoleon den Namen eines Königs von Rom verlieh. 1813 bekleidete Napoleon Maria Louise formal mit der Regentschaft. Während der Verbannung ihres Gemahls auf die Insel Elba weilte die Kaiserin der Franzosen gemeinsam mit ihrem Sohn im Wiener Schloß Schönbrunn, der damaligen Sommerresidenz der Habsburger.

Im Vertrag von Fontainebleau wurden ihr die Herzogtümer Parma, Piacenza und Guastalla zugesichert, deren Regierung sie am 20. April 1816 übernahm. Ihr Sohn blieb in Wien, unter der Obhut seines Großvaters, des Kaisers Franz von Österreich, der ihm die Herrschaft Reichstatt in Böhmen verlieh. Von da an Führte er den Namen "Herzog von Reichstatt" und starb am 22. Juli 1832 an Lungenschwindsucht in Wien, in den Armen seiner Mutter. Seine Gebeine ruhen in der Wiener Kapuziner-Gruft, ebenso wie die sterblichen Überreste seiner Mutter, der Erzherzogin Maria Louise.

Maria Louise vermählte sich 1821 mit dem Grafen Neipperg, der sie von Wien aus als Oberhofmeister nach Parma begleitet hatte. Sie führten eine äußerst glückliche Ehe, der zwei Kinder entsprangen und schenkten Parma ein reiches kulturelles Leben und zahlreiche fortschrittliche soziale Einrichtungen. Ein besonderes Anliegen der Erzherzogin waren Bildungseinrichtungen für Mädchen. Erzherzogin Maria Louise verstarb am 17. Dezember 1847 in Parma.

Die Sammlung im Museo Glauco Lombardi dokumentiert das Leben der Erzherzogin nicht nur in zahlreichen Bildern namhafter Künstler wie Corregio oder Parmigianino, sondern illustriert ihre Persönlichkeit, ihren Charakter und ihre Eigenart besonders eindrucksvoll durch Gebrauchsgegenstände aus ihrem Leben, wie zum Beispiel ihr Hammerklavier, ihr Koffer mit der Ausrüstung zum Fliegenfischen, ihr Nähkoffer mit den in Paris erworbenen chinesischen Seidengarnen für ihre künstlerisch wertvollen Stickereien oder auch ihre Reiseapotheke. Ebenso gibt es zahlreiche Bilder zu sehen, die Erzherzogin Maria Louise selbst gezeichnet oder gemalt hat.

Zwei besonders schöne Exponate sind die kürzlich mit großem Aufwand restaurierten Staatsgewänder. Sie wurden 1838 in Paris hergestellt und bestehen aus einem Kleid aus Seide und Tüll mit Silberstickerei und einem himmelblauen Zeremonienmantel, der ebenfalls mit Lebensbaumornamenten, die eine glückliche Regierung symbolisieren sollten, reich bestickt ist. Diese Staatsgewänder wurden kürzlich in der Restaurationswerkstätte Restauro Tessile di Albinea mit Unterstützung von Fondazione Monte di Parma und Rotary Club Parma liebevoll und sorgfältig restauriert und sind nun wieder ins Museum heimgekehrt.

(von Prof. Dr. Lilly Jaroschka)


 




 

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